Was unterscheidet BIM-Bauteile von anderen CAD-Daten?

20. Januar 2021 CADsys Allgemein Sarah Feustel

Als Produkthersteller haben Sie sicherlich schon Software für die mechanische Konstruktion oder auch elektrische Planung bzw. die Fertigung Ihrer Produkte im Einsatz. In diesen Bereichen liegt der Fokus auf einem maximal detaillierten 3D-Modell, das oft auch als Fertigungsmodell bezeichnet wird. Das digitale Abbild Ihres Produkts muss für die Herstellung so präzise wie möglich modelliert sein, um entsprechende Werkzeuge, Zeichnungsableitungen, Montageanleitungen oder NC-Daten generieren zu können. Zusätzliche Informationen werden eher selten an das Modell geschrieben, da sie im Konstruktions- und Entwicklungsprozess entweder keine Rolle spielen oder schlichtweg noch nicht zur Verfügung stehen. Das kann z.B. das Wartungsintervall sein, der Link zu einer Einbauanleitung, die Klassifizierung eines Produktes oder oftmals auch einfach der Hersteller. Aber genau auf diese Informationen kommt es an, wenn wir von BIM und BIM-Bauteilen sprechen.

Planer, Ausführende und Betreiber benötigen abhängig von der Leistungsphase entsprechende BIM-Bauteile, die den Anforderungen gerecht werden. Oft ist ein geometrisch vereinfachtes oder auf die äußere Hülle reduziertes Bauteil mit allen relevanten Parametern und Anschlussverbindungen ausreichend. Einerseits erleichtern Sie Anwendern den Umgang mit dem BIM-Bauteil, andererseits schützen Sie damit ihr geistiges Eigentum.

Ein weiterer Punkt ist das Dateiformat. Die Übergabe einer Step-Datei an Architekten und Planer wird in den meisten Fällen auf Ablehnung stoßen, da sich dieses Format schlichtweg nicht importieren lässt. Und für den Fall, dass die Planungssoftware das Format lesen kann, taucht dann ein Problem mit den Informationen und Anschlüssen auf. Diese werden mit der Step-Datei nicht korrekt übergeben. Neben dem neutralen Datenaustauschformat (*.ifc), gibt es auch diverse herstellerspezifische Formate. Dazu gehört zum Beispiel Autodesk Revit. BIM-Bauwerke und Projekte werden in einem Revit-Projekt (*.rvt) abgespeichert. Das Revit-Projekt (*.rvt) lässt sich mit einer Baugruppe vergleichen und besteht zum Großteil aus BIM-Bauteilen, sogenannten Revit Familien (*.rfa).

BIM-Bauteile

Für die Erstellung von BIM-Bauteilen gibt es in der Autodesk-Umgebung grundsätzlich 2 Möglichkeiten: Die Wahl der korrekten Methode ist sehr stark vom Produkt und der Verwendung abhängig. Sollten Sie für ihre mechanische Konstruktion Autodesk Inventor nutzen, haben Sie die Möglichkeit, das integrierte BIM-Export-Modul zu verwenden. Mit diesem Modul lassen sich grundlegende Optionen für das BIM-Bauteil definieren, u.a. neue Eigenschaften hinzufügen, die Geometrie vereinfachen und Anschlussverbindungen anbringen. Ihre mechanische Konstruktion bildet somit die Grundlage und lässt sich nach entsprechender Modifikation wahlweise als *.ifc oder *.rfa Datei exportieren. Diese Variante hat aber auch einige Nachteile.

Beim Export wird das aktuelle Modell in ein BIM-Bauteil umgewandelt, wobei die Parametrik verloren geht. Revit-Familien können mehrere Typen beinhalten, die in Geometrie und Informationen variieren. Bei einem Export aus Inventor wird aber nur ein Typ innerhalb einer Familie angelegt. Abzugskörper, die in Autodesk Revit zum Verschneiden der Bauteile mit anderen Elementen verwendet werden, lassen sich beim Export auch nicht übergeben. Diese und weitere Faktoren machen den BIM-Export vorrangig nur für kundenindividuelle Konstruktionen bzw. Produkte interessant. Das können auch Produkte sein, die von einem Planungsmodell abhängig sind – wie z.B. ein Vordach oder eine Treppe.

BIM-Bauteile

Um die Erstellung zu vereinfachen, gibt es seit Inventor 2021 die Option, Revit-Projekte als Referenz in eine Inventor-Baugruppe zu integrieren.

Revit-Projekte mit Inventor verknüpfen

Genauere Informationen zu diesem Workflow finden Sie hier auf unserem YouTube Kanal:

Eine Erstellung der BIM-Bauteile in Autodesk Revit bietet hingegen den Vorteil, dass wir dem Planer eine Revit-Familie zur Verfügung stellen, die mehrere Typen beinhalten kann. Diese Typen können sich, wie bereits erwähnt, in der Form und in ihren Parameterwerten unterscheiden.

Vorteile mit Revit

Hier ein paar Beispiele, welche Vorteile es bei der Erstellung in Revit gibt:

Haustür

  • Verschiedene Größen, Optionen für links- oder rechtsgehängt
  • Abzugskörper zum Verschneiden mit der Wand, Wechsel der Garnitur möglich

Deckenleuchte

  • Diverse Größenoptionen, Variante als Auf- und Einbau

Abwasserhebeanlage

  • Verschiedene Modelle, Unterscheidung in Größe/Geometrie
  • Unterschiedliche Leistungs- und Anschlussparameter

Kurz & knapp:

  • 1:1 Export Ihrer mechanischen Konstruktion ≠ BIM-Bauteil
  • Beachten Sie die Dateiformate für BIM, wie z.B. *.ifc oder *.rfa.
  • Zum Schutz Ihres geistigen Eigentums vereinfachen Sie die Geometrie Ihrer 3D-Modelle.
  • Reichern Sie BIM-Bauteile mit zusätzlichen & notwendigen Informationen bzgl. Planung, Montage, Betrieb und Wartung an.
  • Qualitativ hochwertige und einfach anzuwendende Bauteile erhöhen Ihre Chancen in der Anwendung und schlussendlich im Vertrieb.

Tipp:
Best of Konstruktion & Fertigung Series: An Tag 3 unserer Online-Veranstaltung beschäftigen wir uns mit dem Thema BIM für Produkthersteller! Unser Kunde MEA Bautechnik GmbH aus Aichach berichtet live von ersten Erfahrungen mit BIM-Bauteilen!

Ihr Ansprechpartner:

Danny Maynicke

Mail: dmaynicke@cadsys.de
Telefon: 0371 4000 70-517


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